Mittwoch, November 30, 2005

Das bin ich...

So, das ist das Gesicht vor den geistigen Ergüssen die sich auf dieser Seite ansammeln. Ich hoffe, das lesen macht Euch genauso viel Freude wie mir das schreiben.
Über Feedback jeder Art freue ich mich immer!
Euer

Crypt_Keeper Posted by Picasa

Montag, November 21, 2005

Der Tod eines Freundes


Der

Tod

eines

Freundes


...waren wir denn nicht einst Freunde? Oh ja, wir gingen gemeinsam einen Weg von Kindesbeinen an! Nun, was ist geschehen? Was führte uns an diesen Punkt, von dem aus es kein zurück mehr gibt?

Ach mein alter Freund, du weisst es doch beinahe so gut wie ich, oder nicht? Ich hatte es doch von Anfang an geplant. Du wolltest es so und nicht anders! Und nun- was ist aus Dir geworden? Du bist zwischen den Steinen deiner eigenen, aus Feigheit erbauten Mühle zermahlen worden...


***


Die Nacht war noch nicht ganz angebrochen, das Licht des Mondes noch schwach und Schwaden dichten Nebels krochen einer Schlange gleich über das Land. Inmitten dieser düsteren Kulisse bahnte sich eine schwarze, von sechs Rappen gezogene Kutsche ihren Weg durch das grau des endenden Tages.

Der ganz in schwarz gekleidete Kutscher, dessen Gesicht unter einem breitkrempigen Hut verborgen war, fuhr eindeutig zu schnell, die Pferde schienen zu dampfen, so schwitzten sie, die Räder der Kutsche waren kurz davor zu bersten, doch der Mann auf dem Kutschbock drosselte die Geschwindigkeit nicht, nein, er trieb die Tiere zu noch größerer Eile an, es schien fast so, als wäre er vor irgend jemandem oder irgend etwas auf der Flucht.

Doch es war nicht nur die Angst vor einer unsichtbaren Gefahr die ihn trieb – es waren der Kummer und der Wahnsinn, die in einer einzigen Person vereint in der Kutsche saßen...

Die Straße krümmte sich wie eine Schlange und als plötzlich eine scharfe rechtskurve unter dem Nebel hervortrat verlor der Kutscher die Kontrolle und das Fahrzeug begann unkontrolliert zu schaukeln und zu schlingern; Nur mit Mühe gelang es dem schwarzen Mann auf dem Kutschbock sein Vehikel wieder unter Kontrolle zu bekommen. In der Ferne wurde schemenhaft ein Haus sichtbar, ein grosses Haus, fast ein Schloß – das Ziel der Reise rückte immer näher.

Der Kutscher lenkte seine Pferde in Richtung einer schmalen, ungepflegten Auffahrt und drosselte das Tempo der Pferde um ein vielfaches, so das sie nun ruhigen Schrittes die Kutsche in Richtung des Hofes zogen. Das Haupttor war nur noch wenige Schritte entfernt, da barst mit lautem Krachen das hintere, linke Rad der Kutsche. Der Lenker fiel vom Bock und landete unnatürlich verdreht auf dem Erdboden. Just in diesem Moment öffnete sich die Tür des verunglückten Gefährts und ein ganz in schwarzen Samt gehüllter Mann betrat den Hof. Langsam und stetig schritt er auf das Tor des Hauses zu welches ganz und gar aus schwarzem Holz gefertigt und mit sonderbaren, dämonisch wirkenden Figuren ausgeschmückt war. In der Mitte prangte ein schmiedeeiserner Türklopfer in Form eines Löwenkopfes, welchen der Mann nun lautstark betätigte. Wie um das klopfen zu bestärken begann es zu donnern, Blitze durchzuckten das dunkel des Nachthimmels und wie von Geisterhand bewegt öffnete sich das schwere Eichenportal.

Jedoch war es keine übernatürliche Erscheinung, die die Tür betätigte, sondern ein alter, in Ehren ergrauter Butler. „Sir?“ - der alte blickte, leicht von oben herab und mit einer Spur von Abfälligkeit auf den ungebetenen Gast. „Sie wünschen?“

„Um der Nächstenliebe Willen, lassen sie mich ein! Ich bin ein alter Freund des Hausherren! Er wird erfreut sein mich zu sehen! Ich hatte einen Unfall mit meinem Wagen, wie sie unschwer auch ohne optische Hilfsmittel von hier aus erkennen können!“

Der alte Butler trat zur Seite und machte eine einladende Geste- der Fremde trat ein.

Die großzügige Vorhalle war warm und freundlich eingerichtet. An der Stirnseite befand sich ein Kamin, in welchem ein einladendes Feuer lustig flackerte. Genau daneben stand ein bequem wirkender Ohrensessel, anbei ein kleines Tischchen auf welchem Zeitungen der verschiedensten Art lagen, alle aktuellen Datums. In unmittelbarer Nähe der gemütlichen Kaminecke stand ein wuchtiger Globus, der sich bei näherer Betrachtung als kleine Bar entpuppte.

Der Mann in schwarz öffnete den Globus, entnahm ihm eine Karaffe voll Scotch und ein Glas und schenkte sich freimütig ein. Kaum hatte er den ersten Schluck genommen, öffnete sich eine Tür auf der rechten Seite der Vorhalle und ein untersetzter, gebrochen wirkender Mann trat ein. Er trug einen scharlachroten Hausmantel, Filzpantoffeln und einen Fez. Unter seinem Hausmantel konnte man ein Hemd aus wertvoller Seide erkennen, welches jedoch den Anschein machte, als sei es älter als sein Träger...

„Wer sind sie, und was wollen sie hier? Wie sind sie hier her gekommen???“ Die Stimme des Hausherrn klang schroff, bestimmt und dennoch etwas geschwächt.

„Vincent, alter Freund, erkennst Du mich den nicht? Haben die Jahre deinen Blick getrübt oder habe ich mich so sehr verändert? Ich bin es, Leonard!“

Der Mann, den der schwarze mit Vincent ansprach kniff die Augen zusammen, als würde er gegen die Sonne blicken. „Leonard? Leonard McDonald? Du kannst es nicht sein, Du bist tot!“

„Nein mein bester, ich lebe, ich bin so lebendig wie du. Und ich bin hier! Wie kommst du darauf, das ich tot sei? Nun starre mich nicht länger an wie einen Geist aus finsterer Nacht, sondern begrüße mich wie es sich für einen Freund aus Kindertagen gebührt!“

Noch immer skeptisch ging der Hausherr auf den schwarzen zu.

„Leonard – doch, du bist es tatsächlich. Ich erkenne dich an deinen Augen, diese Augen hat nur einer...“

Jeglicher Zweifel schien von ihm abgefallen, fast ungestüm nahm er den Mann in schwarz in seine Arme.

„Was für eine Freude! Was immer dich zu mir geführt hat, sei mein willkommener Gast! Rasch, lass uns dein Gepäck holen, und auch für deinen Kutscher werden wir eine Unterkunft herrichten müssen...“

„Nein mein Freund, ich glaube nicht das mein Kutscher ein Zimmer braucht – er ist tot!“

Stille. Absolute Stille vereinnahmte den Raum. „Ja so ist der Lauf der Welt mein Freund, du nahmst an, ich sei ein toter der dir einen unverhofften Besuch abstattet, und in Wahrheit bin ich höchst lebendig und von einem toten zu dir gebracht worden – wenn der gute auch erst vor deiner Türe seinen letzten Atemzug tat.“

Der Gastgeber rang nach Fassung. „Nun, dann wollen wir seinen Leichnam doch wenigstens in die Kapelle bringen. Das ist wohl das mindeste was wir tun können. Und dann denke ich wäre es Zeit zu Bett zu gehen. Wir können dann morgen früh weiter über alles reden, der Tag erscheint mir eine angemessenere Zeit zu sein, um alte Erinnerungen auszutauschen. Ich werde Jean, meinen Butler, veranlassen, sich um dein Gepäck zu kümmern – und um den armen Teufel vor der Tür. Ich wünsche dir eine gute Nacht Leonard!“

„Dir auch mein Freund. Dir auch...“


Der Morgen begann mit dem heiteren Gesang der Vögel. Die Sonne hatte die Nacht verdrängt und ihre wärmenden Strahlen weckten den schwarzen, der sich Leonard nannte, aus seinem Schlaf.

Er begab sich zu dem Waschtisch in seinem Zimmer und bemerkte angenehm überrascht, daß das Wasser in dem auf dem Tisch platzierten Krug wunderbar heiss war, daneben standen ein Krug mit kaltem Wasser und ein Topf Rasierseife, gefolgt von einem Rasiermesser und einem feuchten, warmen Handtuch.

„Was für ein Service alter Freund, als würdest du dich für etwas schuldig fühlen...“

Mit diesen leisen Worten nahm er die morgendliche Toilette in Angriff.

Etwa eine Stunde später befanden sich der fremde und Vincent van Hoorn an der Tafel des Speisezimmers und nahmen ein reichhaltiges Frühstück zu sich. Die Männer nutzten die gemeinsame Zeit für eine kleine Konversation.

„Sage mir Leonard, was führt Dich zu mir? Du hattest doch sicherlich einen Grund, mich nach so vielen Jahren aufzusuchen, oder?“

„Tatsächlich habe ich einen Grund. Wir hatten uns einst versprochen, stets dem anderen zu helfen, wenn er in Schwierigkeiten gerät, nicht wahr?“

„Ja, das ist richtig. Und ich werde mich gerne daran halten. Ich habe diesen Schwur nicht vergessen. Was für ein Problem hast du? Brauchst du Geld?“

„Nein, nein – kein Geld. Ich habe etwas getan, was meine Seele sehr belastet. Und ich brauche jemanden, der mir dieses Geheimnis abnimmt, mir eine Art Absolution erteilt, dadurch, das er mir zuhört. Und ich glaube DU bist er einzige, dem ich mich anvertrauen kann... Doch bitte, lass uns erst heut Abend darüber reden. Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen, ich möchte alles wissen, was du so getan hast, was du tust... Und dann, wenn die Nacht hereinbricht, werde ich dir alles von mir erzählen.“

Dann schwieg er, nahm wortlos sein Frühstück zu sich und reagierte nur spärlich auf jegliche von seinem Gegenüber gestellte Frage.

„Ist das tatsächlich mein alter Freund aus Jugendtagen?“ dachte van Hoorn...


Der Tag verlief ereignislos. Zwar verbrachten die beiden Männer den vormittag und den frühen Abend gemeinsam, nahmen dabei auch den einen oder anderen Sherry zu sich, doch schien sich kein Gespräch aufbauen zu wollen, nicht einmal im Ansatz. Erst als die Nacht hereinbrach, wie Leonard es erbat, begaben sich die Männer in die Bibliothek um sich dort bei einer Pfeife und einem gepflegten Glase Whisky zu unterhalten, um ein Geheimnis zu Tage zu fördern, das einem der beiden solch schweren Seelenschmerz bereitete.

„Nun, ich bin ganz Ohr, Leonard. Was ist es, das Dich bedrückt und was Du nur mir anvertrauen kannst. Du machst ein Geheimnis aus Deiner Vergangenheit der letzten Jahre, das Dich fast unheimlich erscheinen lässt.“

„Mein Freund, Du weisst, das ich kein Mann großer Worte bin. Darum will ich mich nach Möglichkeit kurz fassen. Vor etwa fünfzehn Jahren lernte ich einen Mann kennen, der sehr an meiner Person interessiert zu sein schien. Er tauchte in der Öffentlichkeit immer da auf, wo ich mich auch grad befand, keinen Club, keinen Pub konnte ich mehr ohne meinen mysteriösen Schatten betreten. Wie Du Dir sicherlich vorstelle kannst, hatte ich bereits nach kürzester Zeit die Geduld mit diesem dreisten Knaben verloren und stellte ihn zur Rede, was er von mir wolle. Seine Art, mit der er sich mir offenbarte verunsicherte mich. Er schien alles über mich zu wissen, selbst meine geheimsten Gedanken breitete er vor mir aus als seien es Spielkarten – jedoch über sich selbst verlor er kein Wort. Er war höflich, zuvorkommend und spendabel und lud mich ein, ihm an einen, wie er sagte, 'besonderen' Ort zu folgen. Da ich mittlerweile Vertrauen zu dem mir noch immer unbekannten gefasst hatte und die Neugier mich trieb, folgte ich ihm bis zu einem verfallenen Haus irgendwo in den Armenvierteln der Stadt. Was wir hier wollten fragte ich ihn, doch er hieß mich an zu schweigen.

Wir gingen durch die schief in den Angeln hängende Tür und betraten zu meinem Erstaunen einen palastartigen Bau. Reichlich mit Edelsteinen verzierte Kronleuchter hingen von der Decke und die Wände waren mit feinstem Samt behangen. In dem Raum befand sich eine Gesellschaft von illustren Personen, ich erkannte Anwälte, Ärzte aber auch einfaches Volk.Er wies mich an ihm in ein kleines Nebenzimmer zu folgen, wo wir an einem Tisch platz nahmen. Noch immer fasziniert und sprachlos von dem was sich hinter der verfallenen Fassade befand hörte ich mir an, was er mir zu sagen hatte.“

Leonard nahm einen tiefen Schluck aus seinem Glas und zog an seiner Pfeife.

„Wer war der Mann?“

„Das weiß ich bis heute nicht. Aber warte bis ich meine Geschichte beendet habe. Ich glaube, es wird doch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen, Dir alles zu erzählen.“

Er schluckte machte eine lange Pause. Dann fuhr er fort. „Er stellte sich mir nicht namentlich vor, ließ mich lediglich wissen, das er einer alten, geheimen Gruppe vorstünde, deren Ziel es ist, den heiligen Gral, den Stein der Weisen, kurz – das Ende aller menschlichen Sorgen, Nöte und Ängste zu finden und zu erhalten. Nur wenige seien auserwählt worden, sich dieser Gruppe anzuschließen, und ich sei einer derer, die von diesem Glück begünstigt seien. Warum grad ich, was genau diese Gruppe tut erfuhr ich nicht. Ich bekam lediglich eine mündliche Einladung, am nächsten Abend wieder in dem Haus zu erscheinen falls ich mich für den Beitritt entschieden haben sollte. Dann ließ er mich allein. Verwirrt verließ ich den Raum und schritt durch den Saal zur Türe hinaus, vorbei an jenen, die bereits Teil dieser Gruppe waren und mich freundlich grüßten. Als ich mein Haus betrat war ich noch immer voller Zweifel und Fragen, doch auf eine merkwürdige Art hingezogen zu dem bunten Treiben dieser geheimnisvollen Männer deren Ziel mir grotesk und kindisch vorkam, und mich doch überzeugte am nächsten Abend zurück zu kehren. Ich fand das Haus mit einer Leichtigkeit wieder, als wäre ich schon immer dort hin gegangen. Ich wurde freundlich und herzlich aufgenommen und eingeweiht in Rituale der Aufnahme und in geheime Satzungen und Statuten, welche widerzugeben den Rahmen unserer Unterhaltung sprengen würde. In den nächsten Wochen ging ich regelmäßig zu den Versammlungen und geriet immer tiefer in den Bann der Gruppe. Stets wurden die Versammlungen von dem fremden geleitet, der mich einlud. Alles schien mir in dieser Zeit leichter zu gelingen, ich vermochte mein Vermögen zu vergrößern, kaufte Ländereien und sogar eine Kupfermine, genoss Ansehen und Reichtum in der ganzen Stadt und in den umliegenden Orten. Nie fragte ich woher mein Glück gekommen war, nie machte ich mir Gedanken darüber, was sich zugetragen hatte, das ich plötzlich so vom Glück begünstigt wurde. Bis zu dem Tag, an dem ich das größte Geheimnis der Gruppe erfahren sollte.“

Er griff zur kristallenen Karaffe auf dem Tisch neben sich und goss sich nach. Dann nahm er einen tiefen Schluck aus seinem Glas und blickte mit feuchten Augen auf seinen Freund. „Ich habe mich gegen Gott und die Welt versündigt!“

„Was hast Du getan? Was um des Himmels Willen ist geschehen?“ van Hoorns Augen weiteten sich in gespannter Erwartung. „Eines Abends, im Anschluss an eine der Versammlungen, nahm der fremde mich an die Seite und sagte, es wäre Zeit meine Dankbarkeit zu zeigen und meine Loyalität zu beweisen. Ich wusste nicht was er meinte, konnte mir jedoch vorstellen, das mein Glück nicht von ungefähr kam. Er führte mich in eine Kammer, von deren Existenz ich bis dahin nicht wusste. Es war ein kleiner Raum, ganz in schwarz und purpur gehalten. In der Mitte des Raumes befand sich ein Altar und auf diesem allerlei Götzenbilder und schwarze Kerzen. Ich fragte, was das hier werden solle, doch er führte mich schweigend zu einem Becken am Ende des Raumes, in dem sich eine dunkle Flüssigkeit befand. 'dies ist das Wasser des Lebens. Geweiht dem, der uns nährt und uns zu Wohlstand verhilft. Wenn du deine Dankbarkeit zum ausdruck bringen und dich ihm ganz übereignen willst, dann trink!' sagte er. Und ich tat es. Wie im Rausch nahm ich einen Kelch, der neben dem Becken stand und tauchte ihn in die Flüssigkeit. Ich trank als wäre ich ein verdurstender, trank den Kelch bis zum letzten Tropfen leer – dann erst wurde mir bewusst, das ich Blut getrunken habe. Es war Blut Vincent! SEIN Blut wie er mir zu verstehen gab! Übelkeit kroch in mir hoch, ich musste mich übergeben und erbrach mich in das Becken. Voller Entsetzen rannte ich aus dem Raum, aus dem Haus und durch die Strassen. Ich weiß nicht mehr wie lang ich durch die Stadt irrte, aber als ich erschöpft in der Gosse zusammenbrach graute bereits der morgen. Ich wurde von einem freundlichen Kutscher gefunden, der mich erkante und nach Haus brachte. Er nahm an, ich hätte zu viel getrunken und sei überfallen worden – so ließ ich ihn in dem glauben. Ich konnte ihm doch nicht die Wahrheit sagen, oder? Was sollte ich tun? Ich schloss mich ein, verließ mein Haus Wochenlang nicht mehr. Empfing niemanden und liess niemand von mir hören. Dann, eines Tages, stand der Fremde vor der Tür. Er stand einfach da. Einen Tag und eine ganze Nacht. Am nächsten morgen war er verschwunden, doch auf meiner Schwelle lag ein Brief, mit schwarzem Lack versiegelt und ein Ziegenschädel zierte das Siegel. In dem Brief wurde mir zu verstehen gegeben, das ich mich gegen den 'Herrn' der Bruderschaft versündigt hätte, da ich seine Weihe ausspie. Und das ich somit von der Gruppe ausgeschlossen sei und nicht mehr länger würdig wäre, ihre Gunst in Anspruch zu nehmen. Ich war froh darüber, das alles vorbei zu sein schien. Doch das war es nicht. Ich hatte mich auf einen Satansbund eingelassen! Und nachund nach begann mir alles zu mißlingen. Ich verlor all meinen Besitz und fast auch noch meinen Verstand. Der einzige, der sich bislang noch nicht von mir abgewandt hat, bist Du! Bitte verstosse mich nicht sondern hilf mir! HILF MIR!!“

Er verbarg sein Gesicht in den Händen und begann zu schluchzen. Vincent van Hoorn sah ihn an. Sein Blick zeugte von Mitleid und Abscheu. „Was du getan hast, ist unverzeihlich. Aber ich werde mich Deiner annehmen mein Freund. So wie ich es einst versprach. Auch wenn Du mich verraten hast, gegen mich gehetzt hast und nun hier sitzt und winselst! Ich werde mich Deiner Seele annehmen!“

Leonard blickte auf. „W...was?“

Vor ihm stand der Fremde, der Anführer der Bruderschaft in den Kleidern seines Freundes. In der rechten hielt er einen Dolch, in der linken ein Buch, gebunden in schwarzes Leder. „Ja mein bester, ich wollte Dir helfen, Dir Ruhm und Ehre zuteil werden lassen. Doch du hast mein Angebot verschmäht, hast dich aufgelehnt gegen mich! Waren wir denn nicht einst Freunde? Oh ja, wir gingen gemeinsam einen Weg von Kindesbeinen an! Nun, was ist geschehen? Was führte uns an diesen Punkt, von dem aus es kein zurück mehr gibt? Ach mein alter Freund, du weisst es doch beinahe so gut wie ich, oder nicht? Ich hatte es doch von Anfang an geplant. Du wolltest es so und nicht anders! Und nun- was ist aus Dir geworden? Du bist zwischen den Steinen deiner eigenen, aus Feigheit erbauten Mühle zermahlen worden!“ Das letzte was Leonard MacDonald in seinem Leben sah, war ein silberner Dolch, der auf ihn niederging...